Tipps

Sie wollen sich ein Gewächshaus kaufen oder selber bauen?

Um herauszufinden, welche Kriterien Ihr Gewächshaus erfüllen soll, sind folgende Fragen nützlich:

Welchem Zweck soll Ihr Gewächshaus dienen?

a. Dem Vorziehen von Pflanzen im Frühjahr und der Verlängerung der Erntezeit in den Spätherbst:

Dazu eignet sich ein Gewächshaus mit einer Verglasung aus Echtglas, Acrylglas, Hohlkammerplatten oder Gewächshausfolie Bei Echtglas kommt idealerweise 4mm Sicherheitsglas zum Einsatz. Bei Echt- oder Acrylglas sollte eine Schattierungsmöglichkeit gegeben sein, um bei hoher Sonneneinstrahlung Verbrennungen an den Pflanzen zu vermeiden. Eine interessante Alternative bieten hier Mischverglasungen mit wertigem Echt- oder Acrylglas an den Seiten und Hohlkammerplatten am Dach, die Pflanzen vor Verbrennungen schützen. Diese Variante bietet einen Kompromiss für alle, die Optik und Nutzen ideal verbinden wollen.
Folie wiederum sollte unbedingt UV-stabilisiert sein und frei von PVC.

b. Ganzjährige Nutzung, Überwintern von Kübelpflanzen oder Haltung tropischer Pflanzen:

Hierzu muss das Gewächshaus beheizbar und sehr gut isoliert sein. Idealerweise ist es mit thermisch getrennten Profilen und ISO-Glas oder 16 mm starken Hohlkammerplatten ausgestattet. Letztere sind leicht, bruchsicher und schützen Pflanzen vor Verbrennungen, was sie für Verglasungen im Dachbereich besonders interessant macht.

c. Haltung von Kakteen:

Dazu eignen sich Echt- und Acrylverglasungen mit UV-Durchlässigkeit. Zur ganzjährigen Nutzung sollte das Gewächshaus beheizbar sein und sehr gute Isoliereigenschaften aufweisen. Bestens geeignet sind Gewächshäuser mit thermisch getrennten Profilen und ISO-Glas.

d. Als Schmuckstück im Garten:

Die meisten Gartenbesitzer pflegen ihren Garten mit Hingabe und wünschen nicht nur ein zweckmäßiges Gewächshaus, sondern eines, das die Ästhetik des Gartens unterstreicht und nicht das Gesamtbild stört. Hier sind Gewächshäuser mit Echtglas empfehlenswert. Achten Sie darauf, dass Sicherheitsglas zum Einsatz kommt. Darüber hinaus sollten zweckentsprechende Isoliereigenschaften und Schattierungen gegeben sein. Bei zu beheizenden Gewächshäusern ist ein Stromanschluss wichtig. Sehr praktisch ist natürlich auch, wenn der Wasseranschluss ins Gewächshaus verlegt werden kann.

Welcher Platz ist geeignet?

Ein sonnenexponierter Standort mit trockenem Boden, der keinem starken Wind (=Kälte) ausgesetzt ist, ist ideal. Zur Pflanzenanzucht im Frühjahr ist die Ost-West-Ausrichtung des Gewächshauses von Vorteil.
In kleinen oder schmalen Gärten ist Platz Mangelware, daher kann hier ein Anlehnhaus, das direkt an die Mauer angebaut wird, eine gute Lösung sein. Da das Licht nur von drei Seiten kommt, ist eine Ausrichtung nach Süden die beste.
Wo immer das Gewächshaus auch stehen mag, Wasser- und Stromanschluss sollten in der Nähe sein oder gleich ins Haus mitverlegt werden.

Welche Größe ist die richtige?

Bei Hobbygärtnern ist eine Fläche von 7-10m² beliebt. Selbstversorger dürfen „größer denken“. Auch zum Überwintern von Topfpflanzen sollte für großzügiges Platzangebot gesorgt werden, um Pflanzenkrankheiten zu vermeiden. Achten Sie auf eine angemessene Stehwandhöhe von ca 2 m. Sie ermöglicht Garteln ohne Kopf einziehen und bietet mehr Raumvolumen. Viele Gartenliebhaber schätzen ihr Gewächshaus auch als Verweilzone für sich selbst und planen deshalb ein entsprechendes Plätzchen ein.

Gewächshaus auf Mauersockel

Welcher Untergrund?

Der Boden selbst sollte wie beschrieben trocken sein. Gewächshausbausätze beinhalten oft einen Fundamentrahmen. Er wird einfach in den Boden eingegraben und verankert. Je nach Gewicht, Untergrund und Verwendung empfiehlt sich zudem ein Punkt-, Streifen oder Plattenfundament. Ein frostfrei gegründetes Ziegelfundament wie für Gewächshäuser im englisch-viktorianischen Stil typisch, bietet die ideale Grundlage für ein gut isoliertes Gewächshaus und schützt zudem vor Ungeziefer.

Welches Konstruktionsmaterial?

Das Konstruktionsmaterial muss stabil und robust sein und darf wenig Fläche für maximalen Lichteinfall benötigen.

Aluminium: Es ist auch ohne aufwendige Erhaltungsarbeiten lange haltbar und hat sich im Hobbybereich durchgesetzt.

Die Konstruktionen sind gut durchdacht und besitzen teilweise Profile, die verschiedene Verglasungen ermöglichen, vorgefertigte Schlitze und Löcher für Schrauben, Gummidichtungen usw. Es muss also nicht mehr gebohrt und zugeschnitten, sondern lediglich die Montageanleitung befolgt werden. Soll das Gewächshaus ganzjährig benützt und beheizt werden, empfehlen sich Modelle mit besonders guten Isoliereigenschaften durch thermisch getrennte Profile.

Stahl: Dieser leitet zwar Wärme, ist aber sehr haltbar. Die massiven Teile wirken wuchtig, doch lässt sich Stahl schweißen und bohren, was ihn für den Gewächshaus-Eigenbau interessant macht.

Holz: Das Naturmaterial passt ausgezeichnet in den Garten und seine Wärmeleitfähigkeit eignet sich für den Gewächshausbau. Gerade für den Eigenbau ist es interessant, da es sich gut bearbeiten lässt. Empfehlenswert ist gut abgelagertes Lärchenholz, nordische Kiefer oder Fichte. Die Konstruktion ist allerdings relativ klobig und nimmt Licht. Der größte Nachteil von Holz liegt in der geringen Haltbarkeit bei den Bedingungen, die im Gewächshaus vorherrschen. Holzschutzmittel kommen in Frage, dürfen aber nicht pflanzenschädlich sein.

Gewächshausschattierung

Welche Verglasung?

Echtglas:

Blankglas: Dieses ist völlig durchsichtig und rein optisch die erste Wahl. Empfehlenswert für Gewächshäuser zur Saisonverlängerung ist Sicherheitsglas ab 4 mm. Es verfügt über eine hohe Lichtdurchlässigkeit und lässt UV-Strahlung zu ca. 30% passieren, was sich positiv auf Reifeprozesse auswirkt.
Will man das Gewächshaus ganzjährig nützen und beheizen, empfiehlt sich Isolierglas. Für Schattierungsmöglichkeiten sollte gesorgt werden.

Nörpelglas: Die Riffelung schützt Pflanzen gut vor Verbrennungen, ist allerdings kostenintensiv.

Hohlkammerplatten aus Polycarbonat:

Diese sind fast unzerbrechlich und besitzen bei einer Stärke von 16 mm ausgezeichnete Isoliereigenschaften. Eine 16-mm-Stegdoppelplatte besitzt eine Lichtdurchlässigkeit von ca. 75%. Mit der Zeit bildet sich Kondenswasser in den Hohlkammern, das nach unten ablaufen können muss, um Algenbildung zu vermeiden. Bei einer Stärke von 16 mm eignen sich die Platten für beheizte Gewächshäuser oder nur für den Dachbereich in Hagelregionen, unter Bäumen oder zum  Schutz vor Verbrennungen an Pflanzen.

Acryl:

Acrylplatten kommen optisch Echtlgas am nächsten. Sie sind sehr licht- und UV-durchlässig. Im Vergleich zu Polycarbonat sind sie allerdings recht spröde.

Folie:

Gewächshausfolien können vielseitig und unkompliziert eingesetzt werden ohne große Ansprüche an die Tragekonstruktion zu stellen. Trotzdem müssen Konstruktion und Folie natürlich Wind, Wetter und der Lichteinstrahlung standhalten. Nach einiger Zeit müssen die Folien ausgetauscht werden. Hier kommt das Thema Entsorgung ins Spiel, weshalb zumindest auf PVC verzichtet werden sollte.

Gewächshaus Dachfenster

Wie belüften?

Um das Klima gut regulieren zu können, sollten mindesten 20% der Gesamtfläche zu öffnen sein, also aus Tür- und Fensterfläche bestehen. Eine tolle Sache sind automatische Fensteröffner, die Fenster bei Erreichen der eingestellten Temperatur selber öffnen. Die Türe sollte zumindest Schubkarrenbreite besitzen. Zweigeteilte Türen ermöglichen eine noch bessere Temperaturregulation und erschweren ungebetenen Gästen wie Haustieren, Nagern oder Schnecken den Weg. Nicht nur schön sondern auch als sehr praktisch erweisen sich Firstverzierungen: Sie halten Vögel davor ab, unerwünschte Spuren am Gewächshausdach zu hinterlassen.

 

Brauche ich eine Baugenehmigung?

Hier hat jedes Bundesland und jede Gemeinde ihre eigenen Regelungen. Damit die Freude am Gewächshaus lange währt, sollte daher die Errichtung eines Gewächshauses immer individuell mit der zuständigen Behörde abgeklärt werden und auch das Einverständnis der Nachbarn eingeholt sein.

Der goldene Mittelweg

Ob Sie ein Gewächshaus nun kaufen und montieren lassen oder es selbst planen und aufbauen wollen, ist letztlich eine Frage des Geschmacks, denn beides kann je nach Ausführung mehr oder weniger Zeit und Geld kosten. Bequem, zeit- und nervenschonend ist es, ein Gewächshaus im Fertigbausystem zu kaufen und vom Profi montieren zu lassen. Im krassen Unterschied macht man vom Entwurf weg alles selbst. Wer bei Material und Konstruktion auf Erfahrung setzen, aber selbst Hand anlegen will, kann auf eine Vielfalt an durchdachten Gewächshausbausätzen zurückgreifen und selbst montieren – der goldene Mittelweg eben.

Wie immer Sie sich entscheiden, wir wünschen Ihnen viel Freude mit Ihrem Gewächshaus!

Weitere Tipps und Infos rund um Garten und Gewächshäuser finden Sie auf www.gartenkultig.at

Herzliche Grüße aus dem Garten,
die Aigners